Beim Asus ROG Xbox Ally wie auch beim Xbox Ally X handelt es sich nicht um ein spezielles Xbox-Handheld, sondern um eine Kooperation zwischen Asus und Microsoft. Dabei wurde grob gesagt die Technik eines Asus ROG Ally mit der Haptik eines Xbox Wireless Controllers, einem Windows-11-Betriebssystem und speziellem Xbox-Vollbildmodus kombiniert.
Gehäuse & Ausstattung
Schon beim Auspacken des Xbox Ally stechen die Unterschiede zu bisherigen Gaming-Handhelds ins Auge. Das sonst übliche Design, das an eine klobige Nintendo Switch erinnert, wurde abgewandelt. Seitlich befinden sich nun von Game-Controllern bekannte Haltehörner, durch die man die Griffe mit dem kleinen Finger, je nach Hand- und Fingergröße sogar mit dem Ringfinger, umschließen kann. Das ist ein großer Gewinn für die Ergonomie, da sich das Handheld viel angenehmer halten lässt und mit den angerauten Rückseiten besser in den Händen liegt. Das Gewicht von 670 Gramm fällt nicht besonders aus der Reihe bekannter Gaming-Handhelds.
Das Griffdesign erinnert durch die Kooperation an die Xbox-Controller, ist allerdings leicht abgewandelt. Der Griffverlauf ist weniger angewinkelt, die Spitzen laufen etwas steiler zu und aufgrund des Bildschirmformats ist der Griff länger. Die für Xbox-Controller typische asymmetrische Anordnung der Sticks ist für Handhelds keine Besonderheit mehr und für viele eine Frage der Gewöhnung oder des Geschmacks. Schade ist, dass Asus reguläre Analog-Sticks verbaut, während es heutzutage bereits bei günstigen Controllern unter 50 Euro langlebigere und präzisere Hall-Effect-Sticks zu finden sind. Auch Anti-Friction-Ringe fehlen, die die mechanische Belastung zwischen Stick-Hälsen und Gehäuse verringern. Die verbauten Ringe beinhalten lediglich die RGB-Beleuchtung, haben jedoch keinen Glättungseffekt.


Quelle: Michael Beck
Trigger mit Hall-Effekt und gutem Feedback
Immerhin wurden die Analog-Trigger im Vergleich zum Xbox Controller auf Hall-Effekt-Technik aktualisiert, was allerdings auch schon beim ersten Asus ROG Ally der Fall war. Rumble-Motoren sorgen für gutes Feedback und ein klein wenig zusätzliche Immersion. Einstellbare Trigger-Stops, um den Laufweg zum Beispiel für Shooter zu reduzieren, gibt es nicht. Das D-Pad klickt nicht wie beim Xbox Controller und fühlt sich leicht schwammig an, in der Praxis hinterlässt es dennoch einen guten Eindruck.
Neben den ABXY-, Ansicht- und Menü-Tasten gibt es natürlich auch eine Xbox-Taste, die anders als beim Asus ROG Ally oberhalb des D-Pads eingefügt wurde. Außerdem gibt es zwei Tasten, um einmal das Schnellmenü sowie einmal das Komplettmenü von Asus’ Armoury-Crate-Software aufzurufen, über das sämtliche Einstellungen das Handheld betreffend gemacht werden können. Auf der Rückseite gibt es zwei Makrotasten, die sich nach Belieben mit Funktionen belegen lassen. Standardmäßig lässt sich durch Drücken einer Makrotaste in Kombination mit der A-Taste ein Screenshot anfertigen. Die Tasten sind so positioniert, dass man sie nicht aus Versehen auslöst, aber gleichzeitig gut erreichen kann. Trackpads für eine bessere Maussteuerung gibt es nicht.


Quelle: Michael Beck
Monitor dank Gigabitanschluss anschließbar
Rechts neben dem linken Trigger befinden sich zwei Anschlüsse für USB-C 3.2 Gen2, über die das Handheld via Power Delivery 3.0 geladen wird (ein 65-Watt-Netzteil ist im Lieferumfang enthalten). Sie unterstützen eine Datenübertragungsrate von 10 Gigabit pro Sekunde und Displayport 1.4, so dass sich das Xbox Ally auch an Monitore anschließen lässt. Rechts davon befinden sich zwei Tasten zur Lautstärkeregelung. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich ein MicroSD-Kartenslot zur Speichererweiterung, ein 3,5-mm-Kopfhörer- bzw. Headsetanschluss sowie der An-/Ausschalter.
Das Gehäuse wird von sieben Schrauben zusammengehalten. Löst man diese, kann man die Unterseite vorsichtig abnehmen (ein Flachbandkabel verbindet die Makrotasten auf einer Hälfte mit der Hauptplatine auf der anderen Hälfte). Daraufhin hat man Zugriff auf die wechselbare SSD und den Akku, kann die Staubfilter reinigen und mit etwas Know-how bei Bedarf auch die Analog-Sticks ausbauen – und beispielsweise durch Hall-Effekt-Sticks ersetzen.
Display & Software
Das 7 Zoll große Display mit 1080p-Auflösung bleibt so groß wie bei den anderen Ally-Modellen. Für ein Handheld geht das durchaus noch in Ordnung, andere Hersteller setzen mittlerweile jedoch auf größere Bildschirme, wie etwa das Lenovo Legion Go (8,8 Zoll) oder das Steam Deck OLED (7,4 Zoll). Auch die breiten Bildschirmränder mit seitlich 5 Millimetern bzw. oben und unten 9 Millimetern wirken inzwischen nicht mehr ganz so modern.
Statt OLED gibt es ein farbstarkes IPS-Display mit einem hohen Kontrast. Die maximale Helligkeit reicht aus, um Bildschirminhalte im Freien gut erkennen zu können, solange die Sonne nicht direkt auf das Display scheint. In dunklen Umgebungen ist die minimale Helligkeit fast ein wenig zu stark. Für empfindliche Augen hätten wir uns zusätzlich eine etwas niedrigere Minimaleinstellung gewünscht. Die Bildwiederholrate von 120 Hertz sorgt in Kombination mit VRR-Unterstützung für ein insgesamt flüssiges Erlebnis, auch wenn das Maximum aufgrund der Hardware in vielen Spielen kaum ausgereizt wird, aber dazu später mehr.
Windows 11 mit SteamOS
Das Asus ROG Xbox Ally ist, wie schon die Vorgänger, ein Windows-Handheld, auf dem Windows 11 installiert ist. Darauf lässt sich jedes Windows-Programm installieren und das Handheld damit wie jeder Windows-PC bedienen. Darüber liegt jedoch die Xbox-Vollbilderfahrung als zusätzliche, parallel laufende Bedienoberfläche, die auf den Xbox-Ally-Modellen das erste Mal zum Einsatz kommt. Das kann man sich vorstellen wie den Big-Picture-Modus von Steam am PC oder eben SteamOS auf anderen Handhelds – mit dem Unterschied, dass sich standardmäßig auch andere Online-Stores nutzen lassen. Aktuell sind das neben dem Microsoft- bzw. Xbox-Store noch der Epic Games Store, GOG, die EA App, Ubisoft Connect und Battle.net. Zwischen dem Xbox-Vollbildmodus und dem klassischen Windows-Desktop lässt sich jederzeit wechseln.


Quelle: Michael Beck
Zur Flexibilität von Windows gesellt sich allerdings auch der ein oder andere Nachteil. Für uns war dies zu Beginn die für Windows manchmal recht lang andauernde Einrichtung des Handhelds samt Updates beim erstmaligen Start. Wer viel mit Windows arbeitet, weiß allerdings auch, dass es damit nicht getan ist. In regelmäßigen Abständen wollen nicht nur Spiele aktualisiert werden, sondern natürlich auch Windows selbst inklusive Sicherheits-Updates, die Xbox-Oberfläche und so weiter.
Zu all dem gesellt sich noch die Asus-Software Armoury Crate, über die die Handheld-Funktionen verwaltet werden (und deren Update-Status man zusätzlich regelmäßig überprüfen sollte). Diese reichen von verschiedenen Leistungs- und Displaymodi über die Beleuchtung und Akkupflege bis hin zur Kalibrierung der Eingabegeräte. Ein Schnellmenü (durch Drücken der Armoury-Crate-Taste) ermöglicht Zugriff auf die wichtigsten Funktionen und kann angepasst werden, je nachdem, welche Funktionen man häufig benutzt.
Das Zusammenspiel der einzelnen Softwarekomponenten funktioniert insgesamt gut. Alle Updates und Möglichkeiten im Auge zu behalten, ist manchmal jedoch etwas anstrengend. Bei laufenden Spielen dauert es manchmal einen kurzen Moment, bis das Schnellmenü reagiert, um spontan ein paar Einstellungen zu ändern.


Quelle: Michael Beck
Gaming-Leistung & Akkulaufzeit
Im Asus ROG Xbox Ally ist ein AMD Ryzen Z2 A verbaut. Hierbei handelt es sich im Prinzip um die gleiche Hardware wie im Steam Deck. Entsprechend darf man nicht erwarten, aktuelle Blockbuster-Spiele im hohen fps-Bereich zu spielen. Je nachdem, wo der Fokus liegt, kann die Leistung aber dennoch ausreichen.
Das Asus ROG Xbox Ally erlaubt es, drei verschiedene Leistungsprofile auszuwählen: Silent (6 Watt), Performance (15 Watt) und Turbo (25 Watt). Die nachfolgenden Spiele wurden jeweils mit dem Turbo-Modus getestet.
In den Indie-Games mit 3D-Grafik En Garde! und Dungeons of Hinterberg haben wir bei mittleren bis hohen Grafikeinstellungen und einer Auflösung von 720p zwischen 45 und 60 Bilder pro Sekunde erreicht, mit denen die Titel ausreichend gut spielbar sind. Auch Forza Horizon 5 knackt keine Rekorde, lässt sich aber flüssig und ohne Probleme steuern. Bei 720p sind 55 bis 77 fps, bei 900p 45 bis 55 und bei 1080p immerhin noch 40 bis 45 fps drin. Sogar Doom: The Dark Ages ist mit für Handhelds optimierten Grafikeinstellungen und einer Auflösung von 720p mit 35 bis 45 noch spielbar, auch wenn das für einen rasanten Shooter nicht ganz optimal ist. Einbrüche bei der Leistung haben wir nicht wahrgenommen.
Grafik auf Mittelklasse-Niveau
Bei der Gaming-Leistung ist das Asus ROG Xbox Ally entsprechend hauptsächlich für alle interessant, die sich für grafisch weniger aufwendige Spiele interessieren, seien es Retro-, Indie- oder 2D-Spiele oder stark für Handhelds optimierte Titel. Durch die gute Integration des Xbox-Stores und des schnellen WLANs (Wi-Fi 6E) ist das Xbox Ally natürlich auch prädestiniert für Cloud-Gaming via Game Pass: Ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber anderen Gaming-Handhelds.
Im Silent-Modus sind die Lüfter kaum zu hören. Selbst im Turbo-Modus fallen sie nicht störend auf. Spielt man über die integrierten und für ein Handheld guten Stereolautsprecher, fällt das Lüftergeräusch kaum auf.
Die Akkulaufzeiten sind trotz des kleinen Akkus mit 60 Wh ganz ordentlich. Bei maximaler Auslastung (25 Watt Turbo-Modus) und reduzierter Bildschirmhelligkeit kommt das Asus Xbox ROG Ally auf eine Laufzeit von knapp über zwei Stunden. Im Performance-Modus (15 Watt) erreicht man knapp drei Stunden. Bei einem sparsamen Betrieb (6 Watt Silent Modus) sind sogar bis zu 10 Stunden möglich.
Fazit zum Asus ROG Xbox Ally
Das Asus ROG Xbox Ally mag in Bereichen wie Leistung (Prozessor auf Niveau des Steam Deck), Display (kein OLED) und Ausstattung (keine Hall-Effekt-Sticks) keine Preise einheimsen, übertrifft andere Handhelds aber locker bei der Ergonomie. Wer auf einem Gaming-Handheld keine topaktuellen Spiele spielen will oder hauptsächlich Cloud-Gaming nutzt und auf eine Vielzahl an Stores zurückgreifen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten.
Wem das Controller-Design nicht so wichtig ist, findet möglicherweise günstigere Alternativen mit dem dem Lenovo Legion Go S oder dem Steam Deck OLED mit Fokus auf Steam-Spiele. Wer mehr Power braucht, muss auch mehr Geld ausgeben und ist beim MSI Claw 8 AI+, beim Asus ROG Ally X oder dem Asus ROG Xbox Ally X besser aufgehoben. Letzteres unterscheidet sich mit dem schwarzen Gehäuse, dem besseren Prozessor, mehr Arbeits- und Massenspeicher, USB-4, dem größeren Akku und Impuls-Triggern von dem getesteten Xbox Ally (ohne X), ist ansonsten aber baugleich. Als komfortable Ergänzung zum Gaming-PC für kleinere Spiele zwischendurch oder unterwegs ist das Asus ROG Xbox Ally aber auf jeden Fall eine Überlegung wert.
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