Im Folgenden stellen wir sechs verschiedene Grafiktabletts vor – darunter jeweils drei Modelle mit und ohne Display, die vom Hobby-Künstler bis zum professionellen Designer alle Anforderungen abdecken dürften. Im Anschluss an unseren Grafiktablett-Vergleich findet sich ein umfassender Ratgeber, in dem Kreative sich über die wichtigsten Kriterien informieren können, auf die es beim Kauf eines Grafiktabletts ankommt.
Drei Grafiktabletts ohne Display im Vergleich
Kompaktes Grafiktablett für Einsteiger oder als Zweitgerät für unterwegs: Ugee S640
Wer ein günstiges oder transportables Grafiktablett sucht und dabei keine zu hohen Ansprüche an die Präzision stellt, könnte sich für das Ugee S650 interessieren. Geliefert wird es mit einem Clip und zehn Ersatzspitzen für den Stylus sowie einem USB-A-Kabel inklusive jeweils eines Adapters für USB-C und Micro-USB. Einen Zeichenhandschuh oder Stifthalter suchen Nutzer im Lieferumfang des günstigen Zeichentabletts vergeblich. Am oberen Rand des Pen-Tablets befindet sich jedoch eine kleine Lasche, an der sich der Eingabestift befestigen lässt.
Der Stylus des Ugee S640 funktioniert batterielos und erkennt 8.192 Druckstufen sowie eine Neigung von ±60° – gute technische Voraussetzungen. Nichtsdestotrotz ist die Präzision bei dem Einstiegsmodell eingeschränkt. Die aktive Zeichenfläche misst nur 160 x 102 mm, was etwa einem Modell der Größe S entspricht. Dadurch ist das Ugee S640 leicht zu transportieren und nimmt nur wenig Platz auf dem Schreibtisch ein. Das kompakte Format bringt jedoch den Nachteil mit sich, dass selbst kleinste Stiftbewegungen auf dem Bildschirm größere Cursorwege auslösen – was eine feine, exakte Strichführung erschwert. Auf großen Monitoren macht sich dieses Problem besonders bemerkbar.
Funktionell ist das Ugee S640 für ein Grafiktablett seiner Klasse gut aufgestellt. Es kommt mit zehn individuell programmierbaren Express Keys daher, die einen schnellen Zugriff auf häufig genutzte Funktionen erlauben. Multitouch-Gesten unterstützt das Pen-Tablet allerdings nicht. Auch eine kabellose Verbindungsmöglichkeit fehlt. Die Verbindung zum Endgerät erfolgt ausschließlich über das mitgelieferte USB-Kabel. Dafür unterstützt das Tablet neben Windows und macOS auch Linux und Android. Über die beiliegenden Adapter lässt es sich also auch an Smartphones und Tablet-PCs benutzen. Eine Verbindung zu iOS-Geräten wie iPhones oder iPads ist jedoch nicht vorgesehen.
Mittelklasse-Grafiktablett mit Funk und großer Zeichenfläche: X-Pen Deco 03
Wer einen Mittelweg zwischen Preis und Leistung anstrebt, könnte sich für das Modell Deco 03 von X-Pen interessieren. Das Mittelklasse-Modell bietet solide technische Eigenschaften und punktet durch eine kabellose Verbindungsmöglichkeit sowie einen vielseitigen Lieferumfang. Enthalten sind neben dem Grafiktablett und dem Stylus auch ein passender Stifthalter mit acht Ersatzspitzen, ein Zeichenhandschuh, ein USB-C-Kabel sowie ein 2,4-GHz-Wireless-Empfänger, mit dem sich das Zeichentablett auch drahtlos nutzen lässt.
Das XP-Pen Deco 03 bietet eine großzügige aktive Zeichenfläche von 254 x 142 mm und eine Auflösung von 5.080 LPI. Das sind gute Voraussetzungen für präzises Zeichnen – auch auf großen Monitoren. Der batterielose Stift erkennt 8.192 Druckstufen und einen Neigungswinkel von ±60°. Dadurch dürften sich selbst feinste Schattierungen, variierende Strichstärken und natürliche Pinselbewegungen realistisch umsetzen lassen. Anzumerken ist, dass das Gehäuse des Pen-Tablets im Vergleich zur aktiven Zeichenfläche relativ groß ausfällt (350 x 210 mm). Für den mobilen Einsatz ist das Deco 03 damit nicht die beste Wahl.
Ausgestattet mit sechs frei belegbaren Express Keys und einem intuitiv bedienbaren Control-Dial (Drehrelger) ermöglicht das XP-Pen Deco 03 die direkte Ausführung häufig genutzter Funktionen – etwa Zoom, Pinselgröße oder Ebenenwechsel – unabhängig von der Tastatur. Multitouch-Gesten unterstützt das Pen-Tablet allerdings nicht. Die Verbindung zum Endgerät kann wahlweise per USB-C-Kabel oder kabellos über den mitgelieferten Funkadapter erfolgen. Dafür hat das Gerät einen integrierten Akku, der eine Laufzeit von bis zu 16 Stunden bieten soll. Kompatibel ist das Grafiktablett mit Windows (ab Version 7), macOS (ab 10.10) und Linux. Die Verbindung zu Smartphones oder Tablets ist hingegen nicht möglich.
Für anspruchsvolle Nutzer (in drei Größen erhältlich): Wacom Intuos Pro
Wer digitales Zeichnen oder fotografische Retusche auf hohem Niveau betreibt, greift unter den displaylosen Pen-Tablets am besten zu einem Modell wie dem Wacom Intuos Pro. Das Oberklassemodell richtet sich an Kreative mit gehobenen Ansprüchen und überzeugt durch eine präzise Stifterkennung und ein durchdachtes Bedienkonzept. Mitgeliefert werden neben dem Pen-Tablet selbst der neue Wacom Pro Pen 2 inklusive Halterung und zehn Spitzen – darunter sechs normale Spitzen und vier Filzspitzen, die ein etwas höheres Maß an Reibung erzeugen und dadurch ein besonders papierähnliches Zeichengefühl vermitteln sollen. Schade ist, dass kein Zeichenhandschuh mitgeliefert wird.
Ein Pluspunkt gegenüber vielen Konkurrenzmodellen ist, dass Kreative die Größe des Intuos Pro aus drei Optionen auswählen können – S (160 x 100 mm Zeichenfläche), M (224 x 148 mm Zeichenfläche) oder L (311 x 216 mm Zeichenfläche). Ob Transportabilität, Präzision oder ein Mittelweg aus beidem gewünscht ist – bei dem Oberklassemodell von Wacom dürfte jeder fündig werden. Die technischen Eigenschaften können sich sehen lassen. Der beiliegende Wacom Pro Pen 2 erkennt 8.192 Druckstufen und unterstützt Neigungswinkel von ±60°. Je nach Modellgröße stehen sechs (S) oder acht (M/L) Express Keys zur Verfügung, die sich individuell mit Shortcuts belegen lassen – etwa für Rückgängig, Ebenenwechsel oder Werkzeugauswahl. Hinzu kommt der markentypische Touch Ring, über den sich mit einer kreisenden Fingerbewegung Funktionen wie Zoom, Bildlauf oder Pinselgröße stufenlos steuern lassen. Ergänzt wird das Ganze durch die Multitouch-Unterstützung, mit der sich das Tablet auch mit Gesten bedienen lässt – wie auf einem Smartphone oder Trackpad.
Ein weiterer Vorteil des Intuos Pro sind die flexiblen Verbindungsmöglichkeiten. Das Grafiktablett kann wahlweise per USB-C-Kabel oder kabellos über Bluetooth 5.3 verbunden werden. Im Akkubetrieb soll das Tablet laut Hersteller eine Laufzeit von bis zu 16 Stunden erreichen – genug für lange Arbeitssitzungen ohne Unterbrechung. Kompatibel ist das Intuos Pro mit Windows, macOS und Linux. Ein Manko bleibt, das auch beim X-Pen Deco 03 gestört hat: Smartphones und Tablet-PCs werden nicht unterstützt.
Drei Grafiktabletts mit Display im Vergleich
Günstiges Grafiktablett mit Display: XP-Pen Artist 12
Wer ein günstiges Grafiktablet mit Bildschirm für den Einstieg in die digitale Illustration sucht, ist bei dem Artist 12 von XP-Pen an der richtigen Adresse. Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Zeichendisplay ein PH2-Stylus, ein Stifthalter mit acht Ersatzspitzen, ein Zeichenhandschuh sowie ein 3-in-1-Kabel für die Verbindung zu Desktop-PCs und Notebooks.
Das 11,6 Zoll große Display bietet eine Full-HD-Auflösung von 1.920 × 1.080 Pixeln und deckt laut Hersteller rund 72 Prozent des NTSC-Farbraums ab, was etwa 100 Prozent sRGB entspricht – ausreichend für viele kreative Anwendungen, auch wenn das günstige Pen-Display bei der Farbabdeckung nicht mit höherpreisigen Modellen mithalten kann. 11,6 Zoll entsprechen etwa einer Breite von 25,6 cm und einer Höhe von 14,4 cm. Damit bleibt das Gerät handlich und transportfreundlich, bietet aber nur eine begrenzte Arbeitsfläche, was sich insbesondere bei der Nutzung großer Bildschirme oder beim Arbeiten an feinen Details negativ bemerkbar machen kann. Die Displayoberfläche ist entspiegelt, jedoch nicht voll laminiert – was bei schnellen Strichen zu einem leichten Versatz zwischen Stiftspitze und Cursor (Parallaxe) führen kann. Der Stylus arbeitet batterielos, erkennt 8.192 Druckstufen und unterstützt Neigungswinkel von ±60 Grad.
Zur Ausstattung gehören sechs individuell belegbare Express Keys und eine Touchleiste, mit der sich beispielsweise die Pinselgröße anpassen oder der Bildausschnitt verschieben lässt. Eine Multitouch-Funktionalität ist nicht vorhanden, ebenso wenig eine kabellose Verbindungsmöglichkeit. Der Anschluss erfolgt über das beiliegende 3-in-1-Kabel, das über HDMI und USB sowohl Bildsignale als auch Strom überträgt. An Smartphones oder Tablet-PCs lässt sich das Pen-Display nicht nutzen.
Grafiktablett mit großem 15,6-Zoll-Display: Huion Kamvas 16
Wer ein Grafiktablett mit Display, großzügiger Arbeitsfläche und vielseitigen Anschlussmöglichkeiten sucht, ist bei dem Modell Huion Kamvas 16 genau richtig. Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Grafikdisplay der Stylus PW517, ein Stifthalter mit zehn Ersatzspitzen, ein Zeichenhandschuh, ein 3-in-1-Kabel und ein USB-C-zu-USB-C-Kabel.
Das Display löst in Full-HD-Qualität auf und bietet eine Farbraumabdeckung von 120 Prozent sRGB. Damit eignet sich das Kamvas 16 auch für Arbeiten, bei denen Farbgenauigkeit eine übergeordnete Rolle spielt – zum Beispiel bei der digitalen Illustration von Printmedien oder bei der Farbkorrektur in der Fotobearbeitung. Die vollständig laminierte Bildschirmoberfläche soll dazu beitragen, dass der digitale Strich direkt unter der Stiftspitze erscheint – ohne erkennbare Parallaxe. Eine matte Beschichtung soll Reflexionen reduzieren und beim Zeichnen ein leicht strukturiertes, papierähnliches Gefühl vermitteln. Bei 15,6 Zoll misst die aktive Arbeitsfläche 34,4 cm in der Breite und 19,4 cm in der Höhe. Trotz seiner Größe bleibt das Gerät mit 12 mm Gehäusedicke und rund 1,3 Kilogramm Gewicht vergleichsweise schlank.
Der PW517-Stift basiert auf der Pentech-3.0-Technologie und erkennt 8.192 Druckstufen sowie eine Neigung von bis zu ±60°. Die Abtastung erfolgt mit über 220 Punkten pro Sekunde, was eine flüssige und verzögerungsfreie Wiedergabe ermöglichen sollte. Am linken Rand des Pen-Displays stehen zehn individuell belegbare Express Keys zur Verfügung, mit denen sich Werkzeuge oder Funktionen bequem abrufen lassen. Auf Unterstützung von Multitouch-Gesten hat Huion hier bedauerlicherweise verzichtet. Auch eine Touchleiste oder ein Control-Dial stehen nicht zur Verfügung.
Das Kamvas 16 lässt sich flexibel verbinden: entweder über das beiliegende 3-in-1-Kabel mit HDMI-Anschluss oder – bei entsprechender Unterstützung des Endgeräts – direkt über ein einziges USB-C-Kabel. Eine drahtlose Verbindung per Funk oder via Bluetooth ist allerdings nicht möglich. Unterstützt werden Windows, macOS und Linux – aber auch Android-Geräte mit USB-C und Displayport-Funktionalität. iPhones oder iPads unterstützt das Pen-Display hingegen nicht.
Premium-Grafiktablett mit 4K-Display und Touchgesten: Wacom Cintiq Pro 16
Kreative, die beim Kauf ihres Pen-Displays keinerlei Abstriche machen möchten, greifen am besten zu einem Modell wie dem Cintiq Pro 16 von Wacom. Hier dürften selbst professionelle Designer, digitale Künstler oder Fotografen mit hohen Ansprüchen an Präzision, Farbtreue und Ergonomie auf ihre Kosten kommen. Geliefert wird das Grafiktablett mit dem bewährten Wacom Pro Pen 2, einem Stifthalter mit 13 Ersatzspitzen, mehreren Anschlusskabeln sowie einem Netzteil. Praktisch: Die seitlich ausklappbaren Standfüße ermöglichen einen Neigungswinkel von 20 Grad, optional lässt sich auch ein Vesa-kompatibler Standfuß nutzen.
Das entspiegelte 4K-Display lässt mit 3.840 × 2.160 Pixeln und einer Farbraumabdeckung von 98 Prozent AdobeRGB auf gestochen scharfe Darstellungen mit hoher Farbtreue hoffen – ideale Voraussetzungen für die professionelle Bildbearbeitung, Illustration und Animation. Die vollständig laminierte Displayeinheit minimiert Parallaxen, so dass sich Linien präzise dort wiederfinden dürften, wo die Stiftspitze aufsetzt. Dank Multitouch-Unterstützung lassen sich Zoom, Rotation und Navigation direkt per Finger steuern.
Der beiliegende Pro Pen 2 arbeitet batterielos und erkennt 8.192 Druckstufen sowie Neigungswinkel bis ±60°. Die hohe Auflösung von 5.080 LPI in Kombination mit einer Abtastrate von über 200 PPS bieten gute Voraussetzungen für eine exakte Umsetzung feinster Bewegungen. Acht rückseitig platzierte Express Keys und ein softwaregestütztes On-Screen-Menü bieten zudem zusätzliche Möglichkeiten zur individuellen Anpassung des Workflows.
Das Cintiq Pro 16 kann wahlweise über USB-C mit Displayport-Funktion oder klassisch per HDMI und USB-A angeschlossen werden. Im Lieferumfang sind alle nötigen Kabel enthalten. Funk oder Bluetooth für eine drahtlose Verbindung zum PC unterstützt das Pen-Display nicht. Kompatibilität besteht zu Windows, macOS und Linux. Die Verbindung zu iPad oder Android-Geräten ist nicht möglich.
Ratgeber – Was gibt es beim Kauf eines Grafiktabletts zu beachten?
Art des Grafiktabletts – mit oder ohne Display?
Im ersten Schritt gilt es festzulegen, welche Art von Grafiktablett es sein soll. Die Entscheidung fällt zwischen sogenannten Pen-Tablets ohne Display und Display-Tablets mit integriertem Bildschirm. Pen-Tablets sind meist deutlich günstiger zu haben, erfordern aber eine gewisse Eingewöhnungszeit. Kreative müssen ihre bisherige Hand-Auge-Koordination anpassen und sich daran gewöhnen, während des Arbeitens auf den Mauscursor anstatt auf den Stift zu blicken. Erfahrungsgemäß dauert diese Umgewöhnung nur wenige Tage oder Wochen. Danach kann man mit einem Pen-Tablet genauso präzise arbeiten wie mit einem Display-Tablet.
Display-Tablets hingegen erlauben das Zeichnen direkt auf dem Bildschirm, wodurch sich der Einstieg für viele Nutzer deutlich intuitiver anfühlt. Gerade Umsteiger von Papier oder klassischen Zeichenmedien profitieren davon, dass Hand und Auge sich wie gewohnt koordinieren lassen. Der Nachteil im Vergleich zu den Pen-Tablets liegt vor allem in den höheren Anschaffungskosten. Außerdem gilt es zu beachten, dass Display-Tablets meist auf eine separate Stromversorgung angewiesen sind. Pen-Tablets müssen hingegen nur an den PC angeschlossen werden, wobei die Stromzufuhr via USB erfolgt. Dadurch bieten sie bessere Voraussetzungen für den mobilen Einsatz.
Zeichenfläche – wie groß soll das Grafiktablett sein?
Wie groß das neue Grafiktablett sein sollte, hängt von zwei Faktoren ab: der erforderlichen Präzision und dem verfügbaren Platz auf dem Schreibtisch. Ein größeres Grafiktablett bietet mehr aktive Zeichenfläche, was sich direkt auf die Präzision beim Arbeiten auswirkt. Bewegungen des Stifts werden auf einem größeren Bereich feiner aufgelöst – selbst kleinste Handbewegungen können so in präzisere Cursorbewegungen umgesetzt werden. Wer auf eine hohe Präzision aus ist, greift daher am besten zu einem möglichst großen Zeichentablett. Umso wichtiger ist das für Nutzer von großen Monitoren, da der Cursor auf einem hochauflösenden Bildschirm längere Wege zurücklegen muss und sich feine Bewegungen auf kleinen Tabletts nur schwer exakt übertragen lassen.
Wer nicht viel Platz auf dem Schreibtisch hat oder sein Tablet unterwegs nutzen möchte, greift zu einem kleineren Modell, muss in diesem Fall aber Abstriche in puncto Präzision in Kauf nehmen. Geläufige Grafiktablett-Größen sind:
- S (etwa DIN A6 / 105 × 148 mm)
- M (etwa DIN A5 / 148 × 210 mm)
- L (etwa DIN A4 / 210 × 297 mm oder größer)
Der Eingabestift – auf diese vier Merkmale kommt es an
Der Eingabestift ist das zentrale Werkzeug beim Arbeiten mit dem Grafiktablett – und maßgeblich entscheidet für das Zeichengefühl. Damit Linienführung, Druckverhalten und Pinselstriche genau so funktionieren, wie Kreative es erwarten, sollten die folgenden vier Eigenschaften vor dem Kauf beachtet werden:
- Druckempfindlichkeit: Die Druckempfindlichkeit beschreibt, wie fein der Stift unterschiedliche Druckstärken erkennt und an das Zeichenprogramm überträgt. Je mehr Druckstufen ein Stift unterstützt, desto präziser können Nutzer die Strichstärke kontrollieren – etwa für weiche Schattierungen, dynamische Linien oder feine Übergänge. Aktuelle Stifte verfügen in der Regel über 2.048 bis 8.192 Druckstufen. Während 2.048 Stufen für einfache Illustrationen und Notizen bereits ausreichen, bieten 8.192 Druckstufen ein besonders hohes Maß an Präzision – ideal für digitale Malerei, komplexe Skizzen oder detailreiche Bildbearbeitung. Wichtig ist allerdings auch, wie gleichmäßig und stabil der Druck erkannt wird – hier entscheidet die Qualität von Stift und Grafiktablett.
- Neigungserkennung: Neben der Druckstärke spielt auch der Neigungswinkel des Stifts eine Rolle – insbesondere beim Arbeiten mit pinselähnlichen Werkzeugen oder beim Schraffieren. Stifte mit Neigungserkennung können erfassen, wie stark der Stift zur Seite geneigt wird, und passen den Strichverlauf entsprechend an. Dadurch lassen sich beispielsweise breite Farbflächen wie mit einem echten Zeichenstift anlegen oder unterschiedliche Pinselwinkel simulieren. Wer sein Grafiktablett primär für digitales Zeichnen benutzen möchte, sollte gezielt auf diese Funktion achten. Günstige Modelle bringen häufig keine Neigungserkennung mit.
- Akkufrei vs. akkubetrieben: Eingabestifte – auch als Stylus bezeichnet – gibt es in zwei Varianten: akkubetrieben oder akkulos. Akkufreie Stifte nutzen die elektromagnetische Resonanztechnologie (EMR), bei der das Tablet den Stift mit Energie versorgt. Diese Stifte sind leicht, wartungsfrei und müssen – anders als akkubetriebene Stifte – weder geladen werden noch erfordern sie einen regelmäßigen Batteriewechsel. Akku-Stifte sind meistens schwerer, was einige Nutzer bevorzugen, da es an klassische Stifte erinnert. In der Praxis ist ein akkuloser Stift jedoch fast immer die bessere Wahl – insbesondere bei langen Arbeitssessions oder spontanen Einsätzen.
- Parallaxe: Parallaxe bezeichnet den sichtbaren Abstand zwischen der Stiftspitze und der gezeichneten Linie auf dem Bildschirm – ein Effekt, der nur bei Display-Tablets auftritt. Er entsteht durch die Dicke der Displayoberfläche und die Trennung zwischen Schutzglas und dem eigentlichen Display-Panel. Je dicker das Glas oder je schlechter die Ausrichtung, desto größer erscheint dieser Versatz. Präzision und Zeichengefühl können dadurch beeinträchtigt werden. Hochwertige Tablets setzen daher auf laminierte Displays, bei denen Glas und Panel bündig miteinander verbunden sind. Dadurch wird die Parallaxe nahezu eliminiert – und der Strich erscheint genau dort, wo der Stift die Oberfläche berührt. Wer realitätsnah zeichnen möchte, sollte auf diesen Punkt besonderen Wert legen. Einen konkreten Wert zur Angabe der Parallaxe gibt es nicht. Kreative sollten beim Kauf auf Aussagen wie „Minimierte Parallaxe“ oder „Voll laminiertes Display für reduzierte Parallaxe“ achten.
Die wichtigsten technischen Eigenschaften
Wer ein Grafiktablett kaufen möchte – ob mit oder ohne Display – sollte auch die technischen Eckdaten im Blick behalten. Diese beeinflussen maßgeblich, wie präzise und komfortabel sich mit dem Gerät arbeiten lässt. Dabei kommt es auf folgende Kriterien an:
- Auflösung: Die Auflösung eines Grafiktabletts wird in LPI (Lines per Inch) angegeben und beschreibt, wie viele Linien pro Zoll das Tablet erfassen kann. Je höher der Wert, desto feinfühliger reagiert die Oberfläche auf Bewegungen des Stifts. Eine hohe Auflösung ist vor allem bei detailreichen Zeichnungen wichtig, da sie die Präzision erhöht und eine saubere Strichführung ermöglicht. Für professionelle Anwendungen empfiehlt sich ein Wert von mindestens 2.540 LPI. Hochwertige Grafiktabletts bieten mitunter sogar deutlich mehr. Allerdings sagt die Auflösung allein noch nichts über die tatsächliche Genauigkeit oder das Zeichengefühl aus. Sie ist vielmehr eine technische Grundlage.
- Genauigkeit: Die Auflösung legt das technische Potenzial fest – die Genauigkeit zeigt, wie gut dieses Potenzial in der Praxis genutzt wird. Die Genauigkeit beschreibt den maximalen Abstand zwischen der tatsächlichen Stiftposition und der dargestellten Linie auf dem Bildschirm – angegeben in Millimetern oder Zoll. Ein Wert von ±0,25 mm gilt bereits als sehr präzise – professionelle Modelle können sogar noch genauer arbeiten.
- Latenz: Die Latenz beschreibt die Verzögerung zwischen der Bewegung des Stifts und der sichtbaren Reaktion auf dem Bildschirm. Eine geringe Latenz sorgt dafür, dass der Strich praktisch in Echtzeit erscheint – wichtig für ein flüssiges, natürliches Zeichengefühl. Angegeben wird die Latenz in Millisekunden, wobei sich gute Werte unterhalb der Grenze von 10 ms bewegen.
Nur bei Grafiktabletts mit Display:
- Display-Auflösung: Die Display-Auflösung gibt an, wie viele Bildpunkte (Pixel) auf dem Bildschirm des Pen-Displays dargestellt werden können. Je höher die Auflösung, desto feiner und detailreicher lassen sich Inhalte wiedergeben. Gängige Pen-Displays bieten Full-HD- (1.920 × 1.080 Pixel), hochwertige Modelle setzen auf 2K- oder 4K-Auflösungen. Generell gilt: Je größer das Display, desto höher sollte auch die Auflösung sein. Während ein 12-Zoll-Modell mit einer Full-HD-Auflösung gut bedient ist, sollte ein Pen-Display mit 16 Zoll 2K oder 4K unterstützen.
- Farbraumabdeckung: Die Farbraumabdeckung gibt an, wie viele Farben ein Bildschirm darstellen kann – und wie genau diese Farben im Vergleich zu einem festgelegten Standard sind. Je höher der Wert, desto kräftiger, realistischer und genauer wirken die Farben auf dem Display. Das ist besonders wichtig für alle, die mit Bildern arbeiten – etwa beim Zeichnen, Gestalten oder Bearbeiten von Fotos. Ein Wert von 100 Prozent sRGB gilt als guter Richtwert für farbechte Darstellungen. Wer besonders präzise Farben braucht, etwa im professionellen Grafik- oder Druckbereich, sollte auf Displays achten, die zusätzlich einen großen Teil von AdobeRGB oder DCI-P3 abdecken.
Zusatzfunktionen – was ist wirklich nützlich?
Neben den grundlegenden technischen Eigenschaften bieten viele Grafiktabletts eine Reihe von Zusatzfunktionen, die das Arbeiten komfortabler und effizienter machen können. Ob sie im Alltag wirklich nützlich sind, hängt stark vom persönlichen Workflow und den verwendeten Programmen ab.
- Express Keys und Shortcut-Tasten: Zusatztasten auf dem Grafiktablett ermöglichen es, häufig genutzte Befehle wie Rückgängig, Pinselwechsel oder Zoom direkt über das Tablett auszuführen, ohne zur Tastatur greifen zu müssen. Je nach Modell lassen sich diese Tasten frei belegen, was die Produktivität deutlich steigern kann – gerade bei komplexen Arbeitsabläufen oder in Programmen mit vielen Werkzeugen.
- Multitouch-Gesten: Einige Grafiktabletts erlauben die Steuerung des Bildausschnitts mit den Fingern – ähnlich wie auf einem Smartphone oder Tablet. So lassen sich etwa Zooms oder Drehungen intuitiv per Zwei- oder Drei-Finger-Geste durchführen. Das spart Zeit und macht den kreativen Prozess flüssiger, besonders bei größeren Projekten oder Illustrationen.
- Verstellbare Standfüße oder Halterungen: Für ergonomisches Arbeiten ist es von Vorteil, wenn das Grafiktablett verstellbare Standfüße bietet oder gar mit einer passenden Halterung geliefert wird. Gerade bei Display-Tablets ist es wichtig, den Bildschirm in einem angenehmen Winkel nutzen zu können – flach auf dem Tisch liegend kann das Zeichnen schnell zu Nacken- und Schulterverspannungen führen.
Zubehör – was sollte dabei sein?
Je nach Hersteller und Modell kann der Lieferumfang stark variieren. Günstigen Modellen liegen häufig nur ein Verbindungskabel, einige Ersatzspitzen und eine Bedienungsanleitung bei. Je nach persönlichen Anforderungen kann es sich lohnen, außerdem auf die folgenden Zubehörteile zu achten:
- Ersatzspitzen: Die Spitze eines Eingabestifts nutzt sich bei regelmäßiger Verwendung ab. Je mehr Ersatzspitzen dem Lieferumfang beiliegen, desto länger können Kreative arbeiten, ohne nachbestellen zu müssen. Manche Spitzen bieten sogar unterschiedliche Härtegrade für ein anderes Zeichengefühl.
- Stifthalter oder Etui: Ein sicherer Aufbewahrungsort für den Stift verhindert, dass er verloren geht oder beschädigt wird. Besonders bei häufigem Transport schützt ein Etui vor Kratzern, während ein Halter am Arbeitsplatz für Ordnung sorgt und den Stift immer griffbereit hält.
- Zeichenhandschuh: Es gibt spezielle Handschuhe für Grafiktabletts, die meist nur den kleinen Finger und den Handballen bedecken, was die Reibung zwischen Hand und Display reduziert und so zu angenehm geschmeidigen Handbewegungen beiträgt. Bei berühungsempfindlichen Zeichentabletts verhindern solche Handschuhe außerdem ein versehentliches Auslösen des Touchscreens.
- Schutzhülle oder Transporttasche: Für alle, die ihr Grafiktablett unterwegs nutzen, ist eine gut gepolsterte Hülle unverzichtbar. Sie schützt das Gerät vor Kratzern, Stößen und Schmutz – besonders wichtig bei empfindlichen Displays und wenn noch Zubehör wie Stift oder Kabel mittransportiert werden soll.
- Reinigungstuch: Ein weiches, fusselfreies Mikrofasertuch gehört zur Grundausstattung, um das Display regelmäßig von Staub, Fingerabdrücken und Schmutz zu befreien. So bleibt nicht nur die Sicht klar, sondern auch die Eingabegenauigkeit erhalten. Im Zweifel können sich Nutzer hier jedoch auch mit einem einfachen Brillenputztuch behelfen.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu Grafiktabletts
Welches ist das beste Grafiktablett?
Welches das beste Grafiktablett ist, hängt von den persönlichen Anforderungen des Einzelnen ab. Wer ein möglichst günstiges Modell sucht, um sich zunächst im Bereich des digitalen Zeichnens auszuprobieren, greift am besten zu einem Modell wie dem Ugee S650. Wenn ein Display gewünscht ist, lohnt sich eventuell ein Blick auf das XP-Pen Artist 12. Wer bei seinem neuen Zeichentablett keine Abstriche machen möchte, schaut sich am besten im Sortiment von Wacom um. Im Vergleichsfeld finden sich die Premiummodelle Intuos Pro (ohne Display) und Cintiq Pro 16 (mit Display).
Wer ist Marktführer im Bereich der Grafiktabletts?
Wacom ist seit vielen Jahren Marktführer im Bereich der Grafiktabletts – sowohl bei klassischen Pen-Tablets als auch bei Pen-Displays. Das japanische Unternehmen gilt als Branchenpionier und ist besonders bei professionellen Kreativen, Designern, Illustratoren und in der Film- und Spieleindustrie etabliert. Immerhin sind Grafiktabletts von Wacom für herausragende Präzision und Verarbeitungsqualität bekannt. Allerdings gibt es mittlerweile auch andere große Namen im Zeichentablett-Sektor – darunter Huion, XP-Pen oder Gaomon.
Welche Zeichenprogramme eignen sich für Grafiktabletts?
Für die Arbeit mit einem Grafiktablett gibt es viele Zeichenprogramme, die sich – je nach Anwendungsgebiet, Erfahrungslevel und Budget – besser oder schlechter eignen können. Zu den bekanntesten Optionen zählen:
- Adobe Photoshop: Der Klassiker für digitale Kunst, Illustration und Fotobearbeitung mit umfangreichen Pinselbibliotheken, Ebenenverwaltung und präziser Stiftunterstützung.
- Clip Studio Paint: Besonders beliebt bei Comiczeichnern, Mangaka und Illustratoren – mit Features wie Pinseldynamik, Perspektivraster oder 3D-Modellen.
- Corel Painter: Realistische Malwerkzeuge und natürliche Medien-Simulationen (Öl, Aquarell etc.) – ideal für Künstler, die zwar digital arbeiten, aber Ergebnisse mit traditioneller Optik hervorbringen wollen.
- Krita: Kostenloses Zeichenprogramm mit umfangreicher Pinsel-Engine, Ebenen und Animation – beliebt bei Hobbykünstlern und Profis im Bereich Concept Art und Illustration.
Warum erkennt mein Computer mein Zeichentablett nicht?
Wenn ein Grafiktablett nicht erkannt wird, liegt das häufig an fehlenden oder veralteten Treibern. Eine saubere Neuinstallation der aktuellen Treibersoftware vom Hersteller kann das Problem oft beheben. Falls nicht, kommen defekte oder nicht korrekt angeschlossene Kabel (z. B. USB oder HDMI) als mögliche Ursachen infrage. Unter Windows hilft ein Blick in den Geräte-Manager, unter macOS müssen gegebenenfalls Zugriffsrechte für Eingabehilfen aktiviert werden.
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